Gamification und Persuasive Technology im Kontext von E-Government und Smart City

Im Wintersemester 2019/2020 fand im Studiengang der Medieninformatik der Universität zu Lübeck ein Bachelorseminar zum Thema E-Government statt. Der Kurs teilte sich in zwei Tracks. In dem hier vorgestellten Track befassten sich die Studierenden mit den Themen Gamification und Persuasive Technology um diese mit Fragestellungen und Probleme der Themenbereiche E-Government und Smart City zu verknüpfen.

Gamification

Gamification bezeichnet die Verwendung von Spielelementen und Spieldesign-Techniken in Kontexten außerhalb von Spielen (mehr Informationen). Letztlich ist Gamification nichts anderes als Motivationsdesign, indem es die motivierenden Aspekte und Gestaltungsprinzipien aus Spielen auf Tätigkeiten überträgt, bei denen ein Motivationsdefizit vorliegt. Dabei wird auf unterschiedliche psychologische Theorien zurückgegriffen — von behavioristischen Lerntheorien (vereinfacht ausgedrückt: Belohnung und Bestrafung, Verwendung von Punkten, Abzeichen, Bestenlisten) bis hin zur kognitivistischen Selbstbestimmungstheorie (vereinfacht ausgedrückt: Motivation über Grundbedürfnisse wie Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit). Dabei ist Gamification selbst kein Spiel und kann auch erfolgreich in “ernsthaften” Kontexten eingesetzt werden (wie z. B. in Unternehmen). Gleichzeitig ist es allerdings nicht einfach, die richtige Mischung und Balance aus Spielelementen zu finden (einige typische Fallstricke).

Im Kontext von E-Government und Smart Cities kann Gamification u.a. dafür eingesetzt werden, sonst schwer wahrnehmbares Feedback von kleinen und/oder langfristigen Veränderungen wahrnehmbarer zu machen.

Persuasive Technology

Bei Persuasive Technology (“überzeugende Technologie”) werden mit Hilfe von Technologie die Einstellung und das Verhalten von Menschen verändert. Diese Idee geht ursprünglich auf Fogg zurück (siehe z. B. sein Buch “Persuasive Technology” von 2003; mehr Informationen). Computer können u.a. aufgrund ihrer Allgegenwärtigkeit, Persistenz, Anonymität, sowie den vielfältigen Interaktionsmöglichkeiten Menschen dabei unterstützen, das von ihnen gewünschte Verhalten zu zeigen. Fogg selbst stellt verschiedene Strategien vor und bietet mit seinem Fogg Behavior Model eine hilfreiche Visualisierung um mögliche Verhaltensänderungen zu visualisieren, indem das Verhalten als multiplikative Verknüpfung von Motivation, Fähigkeit und Hinweisreizen betrachtet wird.

Im Kontext von E-Government und Smart Cities kann Persuasive Technology u.a. dafür eingesetzt werden, umweltfreundlichere Verhaltensweisen zu Gewohnheiten werden zu lassen.

Kurskonzept

Nach einer kurzen Einführung zu den beiden Themenbereichen stellten die Studierenden zuerst wissenschaftliche Artikel zu Gamification und Persuasive Technology in Vorträgen vor. Anschließend entwickelten sie eigenständig Konzepte für eine eigene Gamification oder Persuasive Technology App, basierend auf psychologischen Theorien. Diese stellten sie anschließend in einem kurzen Pitch vor, zu dem sie entsprechendes Feedback aus dem Kurs erhielten. Diese Konzepte wurden — z. T. auf Basis des Feedbacks überarbeitet und erweitert — auf einem Poster zusammengefasst. Diese Poster wurden in einer gemeinsamen Poster-Session Ende Februar im JIL ausgestellt.

Abschließendes Fazit

Die Idee, Gamification und Persuasive Technology in einem Bachelorseminar mit den Themen E-Government und Smart Cities zu verbinden war meines Erachtens überaus bereichernd. Zwar sind die von den Studierenden entwickelten Lösungen nur Konzepte, die z. T. noch weitere Iterationen benötigen würden. Auch war eine Umsetzung als Prototypen explizit nicht Bestandteil des Kurses.

Das Potential aus der Synergie dieser Motivationsmethoden mit Problemen aus den Bereichen E-Government und Smart City wurde jedoch deutlich und hat zu vielversprechenden Ideen geführt. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an die Studierenden.

Poster der Studierenden

Die Ergebnisse der Studierenden sind nachfolgend in einer Bildergalerie dargestellt. Durch ein Klicken auf das Bild können Sie sich das jeweilige Poster größer ansehen. Weiteres Vergrößern ist dann ebenfalls möglich.

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