Privisual: E-Government-Datenflüsse verständlich visualisiert

Jede dritte befragte Person des eGovernment MONITOR 2018 äußerte, auf die Nutzung von Online-Behördendiensten wegen Datenschutzbedenken zu verzichten. Dabei gaben 44% der Befragten an, dass die Informationen darüber, was mit ihren Daten passiert, mangelhaft seien. Als eine Reaktion auf diese Sorgen im Umgang mit persönlichen Daten haben die Studierenden der Medieninformatik Julia Abt, Eric Foerster, Jonas Hamann und Niklas Tasche ein System zur Förderung der Datensouveränität bei der Benutzung von E-Government Angeboten entwickelt. Dieses soll die informationelle Selbstbestimmung der Bürger:innen stärken, in dem es darstellt, welche Behörden Zugriff auf Daten haben und wie die Daten weitergegeben werden. Außerdem kann der Datenweitergabe in Teilen widersprochen werden. Die Gestaltung des Systems ist dabei auf Verständlichkeit und simple Nutzung ausgelegt, um allen in der breiten Zielgruppe den Umgang mit Datenflüssen so einfach wie möglich zu machen.

Funktionen von Privisual

Das folgende Video veranschaulicht die Funktionalitäten vom Privisual Prototyp. Der Anwendungsfall veranschaulicht Datenflüsse beim Umzug.

Entwicklungsprozess

Der Prototyp ist in einem an die nutzerzentrierte Entwicklung angelehnten Prozess entstanden. Zunächst wurden umfangreiche Literaturrecherchen durchgeführt zu Datenschutz, rechtlichen Aspekten, der Visualisierung von Datenströmen, interaktiver Gestaltung von Informationsvisualisierungen und Interaktionsmodellen der Verwaltung (z.B. One-Stop-Government und No-Stop-Government). Auf Basis dieser Recherchen wurden Gestaltungsimplikationen definiert, welche die Basis für die Konzeption darstellten. Die Konzeption wurde mit einem Design-Sprint im Joint Innovation Lab begonnen, in der variantenreiche Ideen exploriert und diskutiert wurden.

Aus den unterschiedlichen Varianten wurde ein Konzept erarbeitet und festgelegt. Dieses Konzept wurde in einem kollaborativen Prozess mit der Software Figma zu einem High-Fidelity-Mockup. Nach Einarbeitung des Feedbacks einer formativen Evaluation mit einem E-Government-Experten wurde das konzeptionierte System daraufhin in einem agilen Entwicklungsprozess mit modernen Webtechnologien, wie Vue.js, Bootstrap, Vuex und Node.js, implementiert. Abschließend wurde das System mit einer Stichprobe von 69 Teilnehmenden summativ evaluiert und erwies nach Bangor (2009) eine gute bis exzellente Usability.

Weiter wurden positives Feedback und Verbesserungspotentiale in offenen Antwortformaten erfasst und in einer strukturierenden Inhaltsanalyse aufbereitet. Auf Basis dieser Daten könnte das Konzept und das System fortlaufend iterativ verbessert werden. Das System ist modular gehalten und bietet viele Möglichkeiten zur Erweiterung – sowohl inhaltlich als auch funktional. Auch die Implementierung weiterer Anwendungsfälle ist somit möglich.

Anmerkung: Es wurden Icons von https://www.flaticon.com/ und https://icons8.de/ für die Erstellung des Systems und der Mockups verwendet. 

Quellen:

eGovernment MONITOR 2018, Studie der Initiative D21, https://initiatived21.de/publikationen/egovernment-monitor-2018/

Bangor, A., Kortum, P., & Miller, J. (2009). Determining what individual SUS scores mean: Adding an adjective rating scale. Journal of usability studies, 4(3), 114-123.

Kreis Sandorn
Julia Abt, Eric Foerster, Jonas Hamann und Niklas Tasche
Masterstudierende der Medieninformatik, Universität zu Lübeck
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